Direkt zum Hauptbereich

Mütter und der Muttertag


 Nicht mehr lange, dann ist wieder einmal Muttertag. 

Meine Mutter ist früh gestorben, sie war gerade 50 und ich erst 20. Wenn ich ehrlich bin, damals habe ich sie nicht sehr vermisst, wir verstanden uns nicht besonders gut. Sie war „maßlos enttäuscht von mir“, weil ich im Leben andere Ziele hatte als sie. Sie wollte, „dass ich in die Welt ziehe, mir den Wind um die Nase wehen lasse“, ich wollte heiraten, eine Familie gründen. Vielleicht, weil ich selbst nie eine hatte. Nun ja, wie das so ist mit Müttern, am Ende hätte ich besser gleich auf sie gehört, mit wäre einiges erspart geblieben … Sie hat es nicht mehr erlebt, denn erst lange nach ihrem Tod habe ich vieles von dem umgesetzt, was sie sich für mich gewünscht hat. Ob es sie gefreut hätte? Keine Ahnung, sie war schwer zufriedenzustellen, immer erstmal mit Kritik zur Stelle, aber, etwas hätte ihr wohl gefallen: Eine Tochter, die Bücher schreibt! Allerdings weiß ich nicht, ob ich das je getan hätte, wäre sie am Leben geblieben. Vermutlich nicht, zu groß wäre wohl meine Angst vor ihrem Urteil gewesen, denn meine Mutter war, ganz ungewöhnlich für ihre Zeit, eine Leseratte. Sie las in jeder freien Minute, war in einem Lesering und das Auswählen neuer Bücher eine heilige Handlung. Ich erinnere mich gut, sie saß irgendwo auf einem Stuhl oder in einem Sessel, ein Buch vor der Nase und ich erzählte ihr irgendetwas. Selten kann mehr als ein „hmmmm“, und ich wusste schon früh, dass sie mir überhaupt nicht zuhörte. Das Gute daran war, dass auch sie mir sehr früh den Zugang zu Büchern schmackhaft machte. Sie wählte sorgfältig aus, was ihr für mein Alter angemessen erschien, und zu jedem Geburtstag, zu jedem Weihnachtsfest, bekam ich selbstverständlich ein Buch. Was schon sehr früh dazu führte, dass ich kurz nach der Bescherung nicht mehr ansprechbar war. Die Liebe zu Büchern und zum Lesen, habe ich also von meiner Mutter geerbt, und ich wüsste, was ich ihr zum kommenden Muttertag schenken würde …

Manchmal, wenn ich an einem meiner Bücher schreiben, und eine Stelle einfach nicht rund werden will, dann lese ich sie laut, und sehe dabei vor meinem geistigen Auge meine Mutter. Keine Ahnung warum, aber meist hilft das.

Wenn auch ihr eine lesende Mutter habt und das Glück, dass sie noch am Leben ist, warum schenkt ihr ihr nicht auch ein Buch zum kommenden Muttertag? Die Auswahl ist unbegrenzt und auch von mir gibt es für jeden Geschmack etwas😎





Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Eingecheckt, operiert und leicht frustriert

 Die Nacht war nicht so prickelnd und an Schlaf gar nicht zu denken. Katze Maya hat alles gegeben, mich zu beruhigen, und das sogar zeitweise geschafft. Wer nie so eine schnurrende, warme, weiche Katze erlebt hat, die sich ganz eng ankuschelt und laut schnurrt, der hat einfach was verpasst im Leben. Das letzte Mal bewusst auf die Uhr geguckt habe ich um 04.15 und um 05.00 hat mich dann der Wecker aus dem Schlaf gerissen. Hund Sam hat etwas irritiert geguckt, aber weitergeschlafen. Mein Mann war ebenfalls wach und kurz darauf fuhren wir schon auf der Autobahn. Wir haben uns vor der Tür des Krankenhauses verabschiedet und ich mich aufgemacht, meine Station zu suchen. Kaum gefunden, wurde ich wieder woanders hingeschickt, weil durch coronabedingten Personalmangel alles anders sei. Wieder hieß es warten, dann wurde ein erneuter Abstrich gemacht, Blutdruck und Fieber gemessen, ich bekam das schicke OP - Held samt Papierschlüppi und man teilte mir mit, dass die OP wohl gegen 10 sei. Es war z

Der Krankenhaus Blues und sonstige Ärgernisse

 Hat man zwar schon mal gehört, dass es so was geben soll, aber betrifft das nicht immer nur die anderen? Eigentlich doch nur die jungen Mütter, die durch ihre Hormone in ein Loch stürzen und plötzlich heulen, obwohl sie überhaupt keinen Grund haben? Nix is! Um zu heulen muss man nicht vorher einen Kind kriegen, das geht auch ohne. Weiß ich seit heute. Fing schon schlecht an der Tag: Mir fiel mein Handy runter und was   Na ich natürlich vergessen habe, ist eine Greifzange. Habt ihr schon mal versucht, mit Hilfe von zwei langen Krücken ein schmales Handy von einem glatten Boden hochzuheben und auf ein Bett zu befördern? Ich sage euch, das dauert! Dann stellt man fest, dass es gerade mal 04.40 Uhr ist. Was, zum Geier, macht man um 04.40 Uhr in einem Krankenhaus? Hellwach, noch dazu? Versuche, noch mal einzuschlafen. Klappt nicht, die Blase drückt. Wo habe ich diese verdammten Krücken denn hingestellt? Ah, unerreichbar hinter dem schwergängigen Nachttisch stehen sie. Nachttisch ranziehen;

Luise und ihr Traum vom Gestern

Luise und ihr Traum vom Gestern Luise - die Geschichte einer Liebe, die allen Widerständen zum Trotz Bestand hat. Nicht einmal der Zeit gelingt es, sie zu zerstören! Die junge Journalistin Sabrina Wagner ist überzeugt, dass es sich bei der Frau, die aus dem Nichts in ihrem Schlafzimmer auftaucht, entweder um eine Kriminelle oder eine Geisteskranke handelt. Immer auf der Suche nach einer Story, erklärt sie sich trotzdem bereit, sich ihre Geschichte anzuhören. Was sie erfährt, ist so unglaublich, dass es ihr Leben verändert und alles, wovon sie bisher überzeugt war, infrage stellt. ( Band 1 von 3 aus der Serie  Luise - Meine  Ururgroßmutter  aus der Kaiserzeit )