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Hilfe, ich bin blauđŸŸ


 Schön wĂ€r’s ja, betrifft aber leider nur mein Bein. Genauer gesagt, meine Kniekehle und die halbe Wade. Ich war so erschrocken beim Blick in den Spiegel, dass ich umgehend, wie sich das gehört, Doktor Google konsultiert habeđŸ€Ł Der war der Ansicht, dass man darauf unbedingt einen Arzt schauen lassen sollte. Einen solchen hatte ich nicht, aber immerhin eine Schwester. Also das erste Mal die Klingel betĂ€tigt. Daraufhin klingelte mein Telefon.„Ja? Aha, ich komme gleiche; stellen Sie die Klingel ab.“

TatsĂ€chlich erschien 10 Minuten spĂ€ter die Dienst habende Krankenschwester, warf einen völlig desinteressierten Blick auf meine blaue Kniekehle, beschmierte selbige mit einer Salbe und befand , dass das absolut normal aussĂ€he. Merke: Doktor Google hat nicht immer recht. MĂŒde vom ungewohnt vielen Laufen, legte ich mich gegen 22.30 Uhr in mein Bett, um zu schlafen. Angesichts der Außentemperaturen und der wirklich schönen Luft, öffnete ich meine BalkontĂŒr vorher  weit. Um 22. 50 Uhr wurde ich von einer sonoren, lauten MĂ€nnerstimme aus dem ersten Schlaf gerissen, die in einer fremden Sprache vom Balkon unter mir ertönte. Der Mann brĂŒllte derart, man hĂ€tte ihn locker auch ohne Telefon noch in Athen verstehen können. Außerdem rauchte er eine Zigarette nach der anderen, deren Rauch fröhlich in mein Zimmer zog .Beides natĂŒrlich bei Todesstrafe verboten. Als ehemalige Raucherin habe ich allerdings großes VerstĂ€ndnis fĂŒr Suchtverhalten, nicht aber fĂŒr rĂŒcksichtsloses Geschrei mitten in der Nacht. Ich habe mich also wieder aus dem Bett gequĂ€lt, bin auf den Balkon gehumpelt und habe laut „Ruhe“ gebrĂŒllt. Hat Wirkung gezeigt, danach war tatsĂ€chlich Ruhe… Bis um 4:30 Uhr! Da öffnete sich wieder meine ZimmertĂŒr und eine Stimme fragte: StrĂŒmpfe anziehen? Da alles andere offensichtlich wenig Sinn macht, habe ich nur mĂŒde „heute nicht“ geantwortet. Ab morgen werde ich sie wohl tatsĂ€chlich brauchen, denn auch wenn ich mittlerweile sehr geschickt, mittels meiner Stöcke,  meine Leggins anziehen kann, ob das mit den Söckchen klappt, das weiß ich noch nicht. Ansonsten sieht es hier tatsĂ€chlich so aus, dass ich ungestört lange Zeit tot in meinem Zimmer liegen könnte, es wĂŒrde niemand bemerken. Anwendungen finden nicht statt, viele GĂ€ste sind ĂŒber das Wochenende zu Hause, und wer ĂŒberhaupt hier ist, das weiß offenbar keiner. Auf jeden Fall erkundigt sich keiner nach dem Befinden, offenbar geht man davon aus, dass man sich melden wird, bevor man das Zeitliche segnet. HĂ€tte ich darĂŒber im Vorfeld Informationen bekommen, hĂ€tte ich dieses Wochenende sicherlich lieber zu Hause verbracht. Hier ist es einfach nur ein Warten. Schließlich kann man ĂŒberhaupt noch nicht einschĂ€tzen, was gut und was richtig, und was völlig falsch ist. Zumindest die Damen an meinem Tisch waren völlig entsetzt, als ich harmlos erzĂ€hlt habe, dass ich ganz alleine geduscht hĂ€tte. Ich hingegen bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass irgendetwas dagegen sprechen könnte.

Wer also die direkte Anschlussheilbehandlung geplant hat, sollte sich ĂŒberlegen, ob das an einem Freitag Mittag wirklich sinnvoll ist. Wenn im eigenen Zuhause jemand wohnt, der gewisse Dinge fĂŒr einen erledigen kann, ist man dort sicherlich besser aufgehoben. Es sollten aber vielleicht  weder Katzen noch kleine Hunde dort wohnen, denn dann wĂ€re die Gefahr des Stolperns sehr groß. Nicht gelogen, ich habe mit einer Patientin gesprochen, die nach ihrem HĂŒft Tab nach Hause kam, ĂŒber ihren Dackel stĂŒrzte und sich auf der anderen Seite den Oberschenkelhals brach. Das braucht natĂŒrlich keiner, dann lieber zwei Tage Langeweile.




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