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Man fürchtet, was man nicht kennt


 Und wer kennt schon Hüft TEPs🥴Darum noch mal für alle, die es vor sich haben und noch zittern vor lauter Angst: Es ist nicht wirklich schlimm. Hier noch einmal die Einzelheiten. 

OP Vorbereitung, Legen der Infusionsnadel wird nie wirklich mein Hobby und ich habe auch noch nie einen Anästhesisten getroffen, der es wirklich gut kann, aber das geht vorbei. Dann gibt’s durch die Maske Sauerstoff, das tut nicht weh und gleich darauf verabschiedet man sich schon ins Land der Träume. Geträumt habe ich allerdings auch noch nie. An das Aufwachen kann ich mich diesmal gar nicht erinnern, bin erst in meinem Zimmer wieder wachgeworden. Na ja, wach ist zu viel gesagt, ich habe mal die Augen aufgemacht, ein paar Entwarnungsmails verschickt, aber auch daran erinnere ich mich nicht mehr wirklich. Die meiste Zeit dieses Tages und auch die ganze folgende Nacht habe ich einfach gepennt. Einmal hatte ich heftige Schmerzen im operierten Bein,
da war aber nur der Verband zu eng. Der wurde gelockert und die Schmerzen waren vorbei. Am Samstag hatte ich Hunger,
richtigen Hunger, hatte schließlich seit über 40 Stunden nichts gegessen. Zuerst kam aber eine Schwester und ich musste mich auf die Bettkante setzen. Nichts leichter als das … ha-ha, wie ein gestrandeter Wal hing ich im Metall und kam nicht in die Höhe. Mein Bein wog eine Tonne und war beweglich wie eine Eisenbahnschiene. Du lieber Himmel, außerdem war es doppelt so dick wie normal - mindestens. Egal, ich musste mich hochhieven und einmal auf die Füße
stellen. Klappte nur semigut, dann durfte ich wieder ins
Bett und erneut verkünden, das ich jetzt wirklich gern ein Frühstück hätte. Das kam ausgerechnet an diesem Morgen erst gegen neun. Auch zum Wäschewechseln, Waschen,
Zähneputzen fand sich erst am späten Vormittag jemand - Corona ist eben überall. Dank der Opiate verschlief ich auch den Samstag weitgehendst, musste allerdings einmal
auf diese furchtbare Pfanne, die vielen Infusionen wollten wieder raus. Allein das sich auf die Seite rollen, war ein Albtraum. Der Rest auch. Schweigen wir drüber. Ich habe mir aber ernsthaft vorgenommen, dass mir das am nächsten Tag nicht wieder passieren würde. Tat es auch nicht. Ich stand auf, nahm meine Krücken, und marschierte Richtung Toilette. Naja, bleiben wir doch bei der Wahrheit: Ich quälte mich aus dem Bett, nahm meine Krücken, und schlich zur Toilette, trifft es wohl besser. Damit war das Abenteuer aber noch nicht beendet. Die Krücken irgendwo sicher hinzustellen, um mich dann auf die Toilette setzen zu können, stellte mich vor unlösbare Probleme. Ich habe sie gelöst, indem ich einfach stehend  gepinkelt habe. Da ich schon einmal auf war, habe ich mir auch gleich noch die Zähne geputzt. Ich war noch nie so stolz auf Zähneputzen.
Irgendwann am Montag kam dann mein Operatör und besah sich sein Werk. Er war damit zufrieden und erklärte, dass die Schwellung und die Härte vom Bluterguss kämen,
der sich im Laufe der nächsten 2-3 Wochen auflösen würde. Kaum war er weg, erschien die Physiotherapeutin zum ersten Mal. Die Zeiten, in denen nach einer Operation auch am Wochenende Physiotherapie stattfand, die sind lange vorbei. Sie zeigte mir, wie man richtig an Krücken läuft :Krücken vor operiertes Bein vor, gesundes Bein überholt das kranke. Dabei ist der Blick immer nach vorne zu richten. Vorher muss man allerdings in die festen Schuhe kommen und das ist nicht so einfach. Achtet unbedingt darauf, dass die Schnell -Schnürung nicht zu fest gezogen ist. Ihr glaubt gar nicht, wie weh es tun kann, sich mithilfe einer Drehbewegung des Beines in einen Schuh zu zwängen. Und auch die Laschen haben die hinterhältige Angewohnheit, sich sofort zurückzuziehen, sobald man seinen Fuß in ihre Richtung bewegt. Achtet daher unbedingt beim Kauf neuer Schuhe auf diese Dinge, ihr werdet nach der Operation froh drum sein. Solltet ihr Sockenträger sein, besorgt euch eine Anziehhilfe. Glaubt mir, ihr werdet es nicht schaffen, einen Socken ohne eine solche anzuziehen. Auch eine Greifzange ist von Vorteil denn man glaubt gar nicht, wie viele Dinge, einschließlich der Krücken, einem im Laufe des Tages runterfallen. Jedes Mal nach dem ohnehin sehr dezimierten Pflegepersonal zu klingeln, ist keine gute Option. Ansonsten nehmt euch mit, womit ihr euch gerne beschäftigen würdet. Ob Strickzeug, Laptop, Tablet, Handy, Bücher (meine natürlich) ganz egal, aber denkt dran, so ein Krankenhaus -Alltag ist sehr lang.
Ach ja, packt euch eine Flasche Rotbäckchen ein, Denn viele haben nach der Operation durch den Blutverlust zu wenig Eisen. Tabletten werden nicht gerne gegeben, weil sie auf die, nach der Operation ohnehin beleidigte Verdauung schlagen. Sprich: sie verursachen Verstopfung. Da das Thema „stilles Örtchen“ ohnehin noch Schwierigkeiten macht, sollte man  nicht ohne Not ein weiteres Problem hinzufügen. Also packt Rotbäckchen ein. 
Ansonsten glaubt mir, wenn ich sage, dass es wirklich in einer erstaunlichen Geschwindigkeit vorangeht. Das aus dem Bett aufstehen geht mit jedem Tag besser und das wieder rein klettern ist bald überhaupt kein Akt mehr. Natürlich ist das alles von eurer körperlichen Fitness, eurem Gewicht, eurem Alter und dergleichen abhängig, aber es geht wirklich recht schnell wieder in Richtung normales Leben. Normal und hoffentlich schmerzfrei.
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